Anzeigepflichtige Krankheiten

Die Verhütung und Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten sind wesentliche Aufgaben der öffentlichen Gesundheitspflege. Aus diesem Grund unterliegen bestimmte Infektionskrankheiten der Meldepflicht. Die Erfassung der anzeigepflichtigen Krankheiten erfolgt mit Hilfe des Epidemiologischen Meldesystems (EMS) durch den Eintrag von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie von Krankenanstalten und Laboren. Auf diese Weise werden meldepflichtige Infektionskrankheiten routinemäßig und systematisch erfasst.

Die Daten zu den im EMS registrierten Krankheitsfällen stellen die Basis für die Steuerung von Maßnahmen im Bereich der Krankheitsbekämpfung und –prävention dar. Sie erlauben die laufende Beobachtung regionaler Entwicklungen am aktuellen Zeitrand und die Identifikation von Krankheitsclustern; beides sind zentrale Voraussetzungen, um die Verbreitung von Krankheiten zu kontrollieren und die Öffentlichkeit mit aktuellen Zahlen und Fakten informieren zu können.

Mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 hat die Bedeutung des EMS eine neue Dimension erlangt. Wurden davor jährlich um die 20.000 anzeigepflichtige Krankheiten gemeldet, ist ihre Zahl im Jahr 2020 fast auf das 20-Fache geschnellt. Von den rund 375.000 gemeldeten übertragbaren Krankheiten machten mehr als 96% COVID-19-Fälle aus (360.580 Fälle bzw. 4.044 Erkrankungen pro 100.000 der Bevölkerung).

Die Zahl der anderen anzeigepflichtigen Krankheiten verringerte sich von 2019 auf 2020 um mehr als ein Viertel. Erfolgte im Jahr 2019 in rund 20.700 Krankheitsfällen eine Meldung an das EMS, wurden im Jahr 2020 (ohne COVID-19-Fälle) etwa 14.600 Erkrankungen registriert. Am stärksten ausgeprägt war der Rückgang beim Keuchhusten, der im Jahr 2019 mit mehr als 2.200 Fällen noch die zweithäufigste meldepflichtige Infektionskrankheit darstellte – im Jahr 2020 waren es nur mehr 632 Fälle, das entspricht einem Rückgang von fast 72% (und dem fünften Platz im Ranking der häufigsten anzeigepflichtigen Erkrankungen).

Von den meldepflichtigen Infektionen abseits von COVID-19 entfällt der Großteil (wie auch in den Jahren davor) auf bakterielle lebensmittelbedingte Krankheiten: Die Hälfte aller im Jahr 2020 erfassten Meldefälle sind dieser Krankheitsgruppe zuzurechnen. Neun von zehn lebensmittelbedingten bakteriellen Infektionen wurden durch Campylobakter oder Salmonellen verursacht, wobei auch durch diese Erreger deutlich weniger Personen erkrankten als im Vorjahr. So wurden im Jahr 2020 5.407 Fälle von Campylobakteriose gemeldet (60,6 Erkrankungen pro 100.000 der Bevölkerung), um 1.166 Fälle bzw. 17,7% weniger als im Jahr zuvor. Die zweithäufigste infektiöse Darmkrankheit ist die Salmonelleninfektion (9,2 Erkrankungen pro 100.000 der Bevölkerung); ihre Zahl ging von 2019 auf 2020 von 1.868 auf 817 zurück (-56,3%).

Durch Hepatitisviren wurden im Vorjahresvergleich um gut 19% weniger Krankheitsfälle ausgelöst. Von den im Jahr 2020 gemeldeten 1.896 Infektionen war die Hälfte auf Hepatitis-B-Viren (948 Fälle, -12,5%) und circa 44% auf Hepatitis-C-Viren (839 Fälle, -23,3%) zurückzuführen.

Tuberkulosemeldungen erfolgten in 388 Fällen (das sind um 56% weniger als noch vor zehn Jahren und um 18% weniger als 2019), des Weiteren wurden 25 Masernfälle zur Anzeige gebracht – auch hier zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr 2019 ein Rückgang von mehr als 83% (2019: 151 Erkrankungen).

Auffällig ist der Anstieg der im Jahr 2020 durch Frühsommer-Meningoenzephalitis-Viren ausgelösten Erkrankungen. Mit 250 FSME-Fällen wurde im Jahr 2020 der bislang höchste Wert erfasst. Ihre Zahl erhöhte sich innerhalb eines Jahres um fast 136% (2019: 106 Meldungen, 2010: 59 Meldungen).

Weitere Informationen zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten sind bei der Abteilung für Infektionsepidemiologie und Surveillance der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sowie beim Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz verfügbar (dort finden sich auch Informationen zu HIV/AIDS).

Ergebnisse im Überblick: Gemeldete Fälle anzeigepflichtiger Krankheiten seit 2010
Gemeldete Fälle anzeigepflichtiger Krankheiten 2020 nach Bundesland

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