Krebsprävalenz in Österreich
Die Prävalenz von Krebserkrankungen ist neben der
Entwicklung der Krebsinzidenz und Krebsmortalität von besonderem Interesse,
um ein umfassendes Bild von Krebserkrankungen in Österreich erstellen
zu können. Angaben über die Krebsprävalenz dienen als Grundlage für
gesundheitspolitische Planungsmaßnahmen und sind elementar für eine
bedarfsgerechte Planung von Umfang und Art der Ressourcen sowie für
die medizinische Versorgung und Betreuung der Patienten. Aber die Frage: "Wie viele Krebskranke
gibt es in Österreich?" ist nicht nur von gesundheitspolitischem,
sondern auch von großem individuellen Interesse für viele Menschen.
Als Krebsprävalenz bezeichnet man die Anzahl der
Personen (oder den Anteil in einer Bevölkerung), die zu einem bestimmten
Zeitpunkt oder innerhalb einer bestimmten Periode an Krebs erkrankt
und am Leben sind. Die Daten zur Prävalenz wurden auf Basis der Zahlen
des österreichischen Krebsregisters sowie eines Follow-up des Überlebensstatus
aller registrierten Erkrankungsfälle berechnet.
Die aktuell verfügbaren Ergebnisse umfassen die Berichtsjahre 1983
bis 2009, d.h. jene Personen, deren Diagnose innerhalb dieses
Zeitraums gestellt wurde und die zum Referenzzeitpunkt 31.12.2009 noch am Leben waren. Daraus ergibt
sich für die Berechnung der Krebsprävalenz eine Follow-up-Periode von 26 Jahren.
Insgesamt sind im österreichischen Krebsregister
für den Zeitraum 1983 bis 2009 925.846 Krebsneuerkrankungen (d.h. maligne
invasive Fälle inkl. DCO-Fälle, ohne nicht-melanotischen Hautkrebs)
bei 772.441 Personen dokumentiert worden. Die Differenz zwischen der
Anzahl an Diagnosen und Personen ergibt sich aus den Mehrfachtumoren.
Von denen lebten zum Jahresende 2009 in Österreich 284.281 Personen
mit Krebs, davon 149.735 Frauen und 134.546 Männer. Das heißt, 3,4 von 100 Österreicherinnen
und Österreichern hatten eine vorangegangene Krebsdiagnose und
waren zum Stichtag 31.12.2009 am Leben.
Fast 122.782 Menschen leben zurzeit in Österreich,
bei denen in den letzten fünf Jahren eine Krebsdiagnose gestellt wurde.
Mit einem erheblichen Anstieg der Prävalenz ist, bedingt durch das
Zusammenwirken von demographischer Alterung, generell steigender Lebenserwartung
und verbesserten Überlebensaussichten erkrankter Personen, zu rechnen.
Bei den Frauen folgten dem Brustkrebs als häufigster Lokalisation (59.072 Frauen) mit
großem Abstand der Gebärmutterkrebs (20.734) und der Darmkrebs (18.033). Für die mit Krebs
lebenden Männer war die häufigste Lokalisation die Prostata
mit 51.218 Fällen, ebenfalls mit Abstand gefolgt vom Darm (20.039)
und der Harnblase (11.216).
Von Krebs betroffene Frauen überleben ihre Krebsdiagnose im Durchschnitt
wesentlich länger als an Krebs erkrankte Männer. Hierfür ist
hier der am häufigsten diagnostizierte Brustkrebs die Hauptursache.
Des Weiteren zeichnet ihn eine günstige Überlebensprognose aus. Für
26% der 134.546 am Jahresende 2009 mit einer Krebsdiagnose lebenden
Männer und für 21% der 149.735 Frauen lag die Diagnose weniger als
drei Jahre zurück. Das heißt, dass für diese Menschen ein akuter
Bedarf an gesundheitlichen Versorgungsressourcen bestand. Weniger engmaschig
sind die gesundheitlichen Überwachungs-, Rehabilitations- und Nachsorgeanforderungen
bei Personen, deren Diagnose bereits drei bis fünf Jahre zurückliegt.
Für rund 23% der von Krebs betroffenen Männer (28.436 Fälle absolut)
und 18% der Frauen (26.738) war das der Fall. Der Anteil der Personen,
bei denen die Diagnose sechs bis neun Jahre zurücklag, betrug 22% der
an Krebs erkrankten Männer bzw. 19% der Frauen. Deutliche Unterschiede
zwischen Männern und Frauen zeigen sich im Hinblick auf den Anteil
jener betroffenen Personen, für die die Krebsdiagnose vor zehn und
mehr Jahren gestellt worden war. Von allen am Stichtag mit einer Krebsdiagnose
lebenden Männern traf dies auf 41.159 Fälle bzw. 31% zu. Bei den Frauen
lag dieser Anteil bei gut 41% bzw. 61.469 absolut.