Im langfristigen Trend zeigen sich unter Berücksichtigung
der Veränderung der Altersstruktur bei den Männern nach einer Zunahme
bis ins Jahr 2003 nun Werte, die deutlich unter denen von 1999 (306,9
pro 100.000 der Bevölkerung) liegen. Bei den Frauen ist eine ähnliche
Entwicklung zu beobachten gewesen. Im Vergleich zu 1999 hat die altersstandardisierte
Inzidenzrate um 6% abgenommen. Auch kurzfristig betrachtet zeigen sich
bei beiden Geschlechtern deutliche Änderungen der Erkrankungsrate.
Die altersstandardisierte Krebsinzidenzraten der Männer und der Frauen
sanken 2009 gegenüber dem vorangegangenen Jahr um jeweils 4%. Das Risiko,
bis zum 75. Lebensjahr an Krebs zu erkranken, war im Jahr 2009 unter
Zugrundelegung der altersspezifischen Erkrankungsverhältnisse von 2009
bei Männern 1,4 Mal so hoch wie bei Frauen bzw. lagen sie bei 32,9%
und 23,3%.
Die häufigste Krebserkrankung bei den Männern ist
seit 1994 Prostatakrebs, im Jahr 2009 mit 4.881 Fällen absolut (bzw.
73,5 Fällen pro 100.000 Männer). Davor lag der Lungenkrebs an der
Spitze der diagnostizierten Krebsleiden, wobei der Zeitpunkt der „Ablöse“
zwischen den Bundesländern stark variiert. Ein besonders kontinuierlich
starker Rückgang ist bei bösartigen Neubildungen des Magens evident.
Dieser Rückgang ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen sichtbar
und epidemiologisch mit der veränderten Ernährung aber auch mit verbesserter
Lagerhaltung und Kühltechnik zu erklären. Andere Krebsarten zeigen
eher geringe Schwankungen. Die Zunahme der Anzahl der jährlichen Krebsneuerkrankungen
bei den Männern ist im Beobachtungszeitraum 1983 bis 2009 fast ausschließlich
auf die steigende Zahl an Erkrankungen der Prostata zurückzuführen.
Bei den Frauen ist Brustkrebs seit jeher die häufigste Lokalisation,
wobei der Anteil der an Brustkrebs erkrankten Frauen gegenüber 2008
leicht zurück gegangen ist (im Jahr 2009: 4.955 Fälle bzw. altersstandardisiert
69,4 Fälle pro 100.000 Frauen). Die altersstandardisierte Rate der
Neuerkrankungen an Brustkrebs ging in den letzten zehn Jahren um 5%
zurück. Die Zunahme der Inzidenzen von Brust- und Prostatakrebs der
vergangenen Jahre ist zu einem großen Teil auf die vermehrt durchgeführten
Vorsorgeuntersuchungen zurückzuführen („Screening-Effekt“).
Für einen regionalen Vergleich der Krebsneuerkrankungen
eignen sich besonders altersstandardisierte Raten, um die unterschiedlichen
Bevölkerungsstrukturen auszuschalten. Da das Risiko an Krebs zu erkranken
für ältere Menschen deutlich höher ist, müssen die Daten vor einem
regionalen Vergleich um diesen Effekt bereinigt werden. Ohne diese Korrektur
würden in Regionen mit einer älteren Bevölkerung von vornherein mehr
Krebserkrankungen aufgezeichnet werden. Bei den regionalen Unterschieden
spielen auch regionale Screening Programme sowie die Meldefrequenz der
Krankenanstalten eine Rolle. Tirol wies im Jahresdurchschnitt 2007-2009
die höchste altersstandardisierte Rate auf (314,8 Neuerkrankungen auf
100.000 Einwohner), gefolgt von Kärnten (302,1 Neuerkrankungen) und
der Steiermark (298,3 Neuerkrankungen). Die geringsten altersstandardisierten
Inzidenzraten wurden in Salzburg und in Wien verzeichnet (238,9 bzw.
251,3 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner).
Bei der häufigsten Krebsneuerkrankung der Männer,
dem Prostatakrebs, waren im Jahresdurchschnitt 2007-2009 die Bundesländer
Vorarlberg (105,8 Neuerkrankungen auf 100.000 Männer), Kärnten (89,8
Neuerkrankungen auf 100.000 Männer) und Oberösterreich (88,9 Neuerkrankungen
auf 100.000 Männer) am stärksten betroffen. Die wenigsten Neuerkrankungen
wurden in Wien und in Salzburg (62,3 bzw. 64,7 Neuerkrankungen auf 100.000
Männer) verzeichnet. Beim Brustkrebs, der häufigsten Krebsneuerkrankung
der Frauen, führen Kärnten, Salzburg und Tirol die Statistik an (81,2,
80,2 und 78,3 Neuerkrankungen auf 100.000 Frauen), am wenigsten betroffen
waren Wien und Niederösterreich (61,1 bzw. 67,6 Neuerkrankungen auf
100.000 Frauen). Bei den bösartigen Neubildungen des Kolorektums waren
in der Steiermark und Niederösterreich die meisten Fälle zu verzeichnen
(35,1 bzw. 33,0 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner). Die wenigsten
bösartigen Neubildungen des Kolorektums wurden unter Berücksichtigung
der Altersstruktur der Bevölkerung in Wien verzeichnet (27,3).
Das Tumorstadium bei der Diagnose ist ein wichtiges
Kriterium für die Prognose einer Krebserkrankung und wird daher nach
Möglichkeit bei allen Krebserkrankungen aufgezeichnet. In die Ergebnisse
zum Tumorstadium werden zusätzlich zu den Neuerkrankungen auch jene
Fälle, die sich in einem Krebs-Vorstadium befinden, einbezogen, die
Carcinoma in situ (CIS). Im Jahr 2009 gab es 3.355 CIS-Fälle. Die Grundgesamtheit
der nachfolgenden Ergebnisse zu den Tumorstadien setzt sich aus der
Zahl der Neuerkrankungen (37.039) und den CIS-Fällen zusammen und beträgt
somit 40.394 Fälle. Im Jahr 2009 wurde etwa knapp ein Drittel aller
Tumoren diagnostiziert, solange der Tumor noch auf das Organ beschränkt
war (lokalisiertes Tumorstadium: 32,5%). Knapp ein Fünftel der Diagnosen
wurde erst gestellt, als der Tumor bereits die Organgrenzen durchbrochen
hatte (regionäre Lymphknotenmetastasen, regionalisiertes Tumorstadium:
18,9%). Bei weiteren 10,4% der neu diagnostizierten Fälle wurden bereits
Fern-Metastasen entdeckt (disseminiertes Tumorstadium). Systemische
Erkrankungen, d.h. bösartige Neubildungen der lymphatischen und blutbildenden
Organe, sind keinem dieser Prognosestadien zuordenbar und machten 5,6%
aller Tumoren 2009 aus. 24,4% der Tumoren konnten keinem Erkrankungsstadium
zugeordnet werden, da entweder die Angaben auf der Krebsmeldung mangelhaft
waren (16,4%) bzw. bei DCO-Fällen keine Information über das Erkrankungsstadium
vorlag (8,0%). Die restlichen 8,3% machten Carcinoma in situ-Fälle
aus.