Mikro- oder Einzeldaten, also die zur einzelnen Beobachtungseinheit gehörigen Daten, bieten eine wesentlich größere Informationsfülle als Daten in aggregierter Form, wie sie in den Publikationen der amtlichen Statistik üblicherweise präsentiert werden. Viele Fragestellungen können überhaupt erst durch die Analyse von Mikrodaten beantwortet werden. So kann die Auswirkung von sozialer Herkunft oder die Berufsqualifikation auf die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden, mit Hilfe aggregierter Daten nur schwer bewertet werden; sie ist aber schon aus einem kleinen Sample von Einzeldaten gut abschätzbar.
Es versteht sich von selbst, dass im Sinn des Statistikgeheimnisses und als Maßnahme des Datenschutzes gegenüber unseren Respondenten die Einzeldaten nur in anonymisierter Form weitergegeben werden, sodass eine direkte oder indirekte Identifizierung eines konkreten Einzelfalls nicht möglich ist. Bei personenbezogenen Mikrodaten impliziert das im Allgemeinen keine wesentliche Einschränkung in den zu analysierenden Fragestellungen.
Auf unserer Website stellen wir derzeit unter anderem folgende Standarddatensätze zur Verfügung: Einzeldaten aus dem Mikrozensus, aus der Konsumerhebung 2004/05 und aus dem EU-SILC-Datensatz. Wie aber können Fragestellungen aussehen, die mit diesen Daten untersucht werden können? In der Folge werden einige Themen vorgestellt, die mit diesen oder ähnlichen Daten behandelt wurden, und zu denen Ergebnisse in der wissenschaftlichen Literatur nachgelesen werden können. Eine Fülle von Beispielen enthält z.B. der Band Mikroanalysen und amtliche Statistik, den das Statistische Bundesamt der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2004 publizierte. Der Band enthält eine Reihe von Aufsätzen, in denen Forschungsfragen, die mittels der Datensätze der amtlichen Statistik formuliert und bearbeitet werden konnten, und entsprechende Ergebnisse diskutiert werden. Die nun zitierten Beispiele sollen Anregungen für eigene Forschungsfragen bieten. Weitere Beispiele finden sich auch auf der Website des Forschungsdatenzentrums des Statistischen Bundesamtes.
Im oben erwähnten Band Mikroanalysen und amtliche Statistik, ist der Aufsatz "Anwendungen und Erfahrungen mit dem Scientific Use File des Mikrozensus" von Schimpel-Neimanns von besonderem Interesse. In diesem Aufsatz listet der Autor einige Forschungsprojekte auf. Dazu zählen u.a.
Die deutsche "Verbrauchsstichprobe" entspricht ungefähr der österreichischen "Konsumerhebung". Im Band Mikroanalysen und amtliche Statistik analysiert Hauser z.B. den Zusammenhang zwischen Einkommensverteilung und Armut (Hauser 2004).
EU-SILC ist eine Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen von Personen in Privathaushalten. Mit dieser Statistik sollen vergleichbare und aktuelle Querschnitt- und Längsschnittdaten über Einkommen sowie den Umfang und die Zusammensetzung von Armut und sozialer Ausgrenzung auf nationaler und europäischer Ebene erstellt werden. Von der Vielzahl der Anwendungen seien nur vier herausgegriffen.
Baumert, J. und G. Schümer. Familiäre Lebensverhältnisse,
Bildungsbeteiligung und Kompetenzerwerb. In: J. Baumert et al. (Hg). PISA 2000. Basiskompetenzen
von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich.
Opladen 2001. 323
Buhlmahn, T. Altersvorsorge im Wandel. Sozialstrukturanalyse mit Mikrozensus. In: P. Lüttinger (Hg).
Mannheim 1999. S. 300
Czasny, K.; Stocker, E. (2007): Wohnzufriedenheit im heimischen Wohnungswesen. In: Hoscher, D., Th. Wala, und K. Wurm (Hg). Jahrbuch des Vereins für Wohnbauförderung 2007 Wien 2007.
S.1
Groß, M. Auswirkungen des Wandels der Erwerbsgesellschaft
auf soziale Ungleichheit. Effekte befristeter Beschäftigung auf Einkommensungleichheit.
In: P. Berger und D. Konietzka (Hg): Die Erwerbsgesellschaft. Neue Ungleichheiten und Unsicherheiten.
Opladen 2001. 119
Hauser, R. "Einkommensverteilung und Armut –
Mikroanalysen mit der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe". In:
J. Merz u.a. (Hg). Statistik und Wissenschaft. MIKAS – Mikroanalysen und amtliche Statistik.
Bd.1. Wiesbaden 2004. 116
Helmert, U. und D. Borgers. Rauchen und Beruf. Eine
Analyse von 100 000 Befragten des Mikrozensus 1995. Bundesgesundheitsblatt 41 (1998), 102
Jungbauer-Gans, M. Der Lohnunterschied zwischen Frauen
und Männern in selbständiger und abhängiger Beschäftigung. Kölner Zeitschrift
für Soziologie und Sozialpsychologie 51/2 (1999). 364
Konietzka, D. und M. Kreyenfeld. Non-Marital
Births in East Germany after Unification. Working
Paper 2001
Schimpl-Neimanns, B. Anwendungen und Erfahrungen mit
dem Scientific Use File des Mikrozensus. In: J. Merz u.a. (Hg). Statistik und Wissenschaft.
MIKAS – Mikroanalysen und amtliche Statistik. Bd.1.
Wiesbaden 2004. 48
Sterner, C. und M. Mayer. Armut und Lebensbedingungen in der Steiermark. (710 KB) Steirische Statistiken 9/2006.
a) Till, M. und U. Till-Tentschert (Hg.) Armutslagen in Wien.(1 MB) Empirische Befunde zu Arbeit, Geld und Wohnen sowie spezifische Disparitäten nach Migrationshintergrund und Geschlecht. Wien 2006. [Schriftenreihe des Instituts für Soziologie; Bd. 40].
b) Till-Tentschert, U., N. Lamei, M. Bauer. Armut und Armutsgefährdung
in Österreich 2003. (122 KB) Bericht über die soziale Lage 2003