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Bildung in Zahlen: Statistik Austria gibt aktuellen Überblick über Bildungswesen in Österreich

Bildungsniveau steigt weiter an, Frauen holen auf
Bildungsniveau in Österreich steigt weiter anWien, 2010-03-01 - In den letzten Jahren ist in Österreich jener Bevölkerungsanteil, der keine über die Pflichtschule hinausführende Ausbildung hat, weiter gesunken. Wie aus der Publikation "Bildung in Zahlen 2008/09" der Statistik Austria hervorgeht, lag im Jahr 2008 in der Altersgruppe der 25- bis 64-Jährigen der Anteil bei 17,4%. 1981 hatte noch fast die Hälfte (46%) der Personen dieser Altersgruppe höchstens einen Pflichtschulabschluss.
2008 verfügten zwei Drittel (68,8%) der 25- bis 64-Jährigen über einen Sekundarabschluss und rund 13,8% über einen Tertiärabschluss (Hochschul-, Akademie- oder Kollegabschluss) als höchste abgeschlossene Ausbildung.
Geschlechtsspezifische Unterschiede im Bildungsniveau verringern sichZwar haben sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede in den letzten Jahrzehnten deutlich verringert, dennoch haben heutzutage noch immer mehr als ein Fünftel der Frauen im Alter von 25 bis 64 Jahren (22,3%) keinen weiterführenden Schulabschluss - bei den Männern sind es nur 12,5%. Im Tertiärbereich hingegen haben Frauen nicht nur aufgeholt, sondern die Männer sogar überholt: So können 14,5% der 25- bis 64-jährigen Frauen einen Hochschul-, Akademie oder Kollegabschluss vorweisen, aber nur 13,2% der Männer. In der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen steigt der Anteil mit Tertiärabschluss unter den Frauen sogar auf ein Fünftel (19,6%) gegenüber 14,3% bei den Männern.
Geringe Bildungsmobilität zwischen den GenerationenAn der Chance, der Bildungsarmut zu entkommen, hat sich in den letzten Jahren nur wenig geändert. Von den 25- bis 44-Jährigen, die aus Akademikerhaushalten stammen, hatten 2007 rund 42,8% ebenfalls einen akademischen Abschluss. Im Gegensatz dazu erreichten nur 10,3% der 25- bis 44-Jährigen aus bildungsfernen Haushalten einen Tertiärabschluss.
Für die Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen zeigt sich eine ähnliche Verteilung. Obwohl zwischen den beiden Altersgruppen generell eine Anhebung des Bildungsniveaus stattfand, haben sich die Bildungschancen der Personen aus bildungsfernen Haushalten nur wenig erhöht.
Bildungsausgaben 2008: € 14,8 Mrd.Staatliche Bildungsausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden beliefen sich im Jahr 2008 insgesamt auf 14.806,6 Mio. Euro. 9,3% davon entfielen auf die Kindergärten, 29,9% auf den Pflichtschulbereich, 21,7% auf den Sekundarbereich, 23,4% auf den Tertiärbereich und 15,7% auf sonstige Verwaltungsausgaben.
Bildung zahlt sich ausEin hohes Ausbildungsniveau reduziert nicht nur das Risiko von Arbeitslosigkeit, sondern auch das Armutsrisiko. 2008 waren 8,2% der Erwerbspersonen mit nur Pflichtschulausbildung arbeitslos, aber nur 1,9% der Personen mit Tertiärabschluss.
Nahezu ein Fünftel (19,5%) der Personen, die nach der Pflichtschule keinen formalen Bildungsabschluss mehr erworben haben, waren 2007 armutsgefährdet. Schon ein Sekundarabschluss reduziert das Armutsrisiko auf die Hälfte, für die Bevölkerung mit Hochschulabschluss liegt das Armutsrisiko bei nur noch 5,6%.
Durchschnittlich 15,1 Ausbildungsjahre in ÖsterreichDie durchschnittliche Verweildauer im Bildungssystem lag 2007 in Österreich bei 15,1 Jahren und damit eineinhalb Jahre unter dem EU19-Durchschnitt von 16,6 Jahren. Spitzenreiter ist Finnland mit einer durchschnittlichen Ausbildungsdauer von 19,4 Jahren.
Rückgang der Schülerzahlen an Hauptschulen durch Einführung der Neuen Mittelschule verstärktDas Schulwahlverhalten fiel in den letzten Jahren in der Sekundarstufe I immer öfter zugunsten der AHS-Unterstufe aus. Im Schuljahr 2008/09 besuchten von allen Schülerinnen und Schülern der 5. Schulstufe 60,0% eine Hauptschule und 33,2% eine AHS-Unterstufe. Im Schuljahr 1980/81 waren noch fast drei Viertel an einer Hauptschule und nur 22,0% an einer AHS-Unterstufe.
Der mit dem Schuljahr 2008/09 an 67 Standorten in fünf Bundesländern neu eingeführte Schultyp der Neuen Mittelschule hat den Rückgang der Zahl der Hauptschülerinnen und Hauptschüler zusätzlich verstärkt. Über 3.400 Schulkinder besuchten im ersten Jahr Neue Mittelschulen, das sind 3,9% der Gesamtschülerzahl in der 5. Schulstufe. Von den insgesamt 166 Klassen der Neuen Mittelschule wurden 160 an Hauptschulstandorten geführt und nur 6 an AHS-Standorten.
Anhaltender Zulauf zu maturaführenden Schulen In der 9. Schulstufe hält der Trend hin zu maturaführenden Schulen an. Im Schuljahr 2008/09 besuchten bereits 56,9% der Schülerinnen und Schüler der 9. Schulstufe eine höhere Schule (AHS, BHS, lehrerbildende höhere Schulen). 1980/81 waren es erst 39,5%. Das Übertrittsverhalten in die 9. Schulstufe ist stark von der "schulischen Herkunft" abhängig: Von der Hauptschule wechselt ein Drittel (34,4%) der Kinder in maturaführende Schulen, bei der AHS-Unterstufe sind es neun von zehn (91,4%).
Vier von zehn Personen (39,3%) eines Jahrgangs schlossen 2007/08 ihre Ausbildung mit der Reifeprüfung ab. Bei jungen Frauen lag der Anteil sogar bei 45,9%. Von den jungen Männern maturierte nur rund ein Drittel (33,1%).
Etwa jede zweite Person wechselt nach der Matura an eine öffentliche Universität48,2% der Maturantinnen und Maturanten wechselten innerhalb von drei Semestern nach der Matura an eine öffentliche Universität. Die Unterschiede zwischen den Schultypen sind allerdings erheblich. Bei den allgemein bildenden höheren Schulen liegt diese Quote bei 69,2%, bei den berufsbildenden höheren Schulen lediglich bei 32,7%.
Studienabschluss binnen zehn Jahren für 44% Von den Erstimmatrikulierten 1998/99 haben aber zehn Jahre später nur 43,9% einen Universitätsabschluss erreicht. 44,1% haben ihr Studium abgebrochen oder zumindest unterbrochen; 12,0% studierten noch.
Höheres Bildungsniveau – mehr Weiterbildung Die Beteiligung an Weiterbildungsmaßnahmen gewinnt zunehmend an Bedeutung. 2008 nahmen 13,2% der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in den letzten vier Wochen vor der Befragung an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teil. Im EU19-Vergleich liegt Österreich damit im vorderen Feld.
Kurse und Schulungen außerhalb des Schul- und Hochschulwesens werden besonders häufig von Personen besucht, die über ein vergleichsweise hohes formales Bildungsniveau verfügen. Bei Personen mit Tertiärabschluss liegt der Anteil jener, die sich außerhalb des Schul- und Hochschulwesens weitergebildet haben, bei 21,6%, bei Personen, die nur die Pflichtschule absolviert haben, sind es 5,1%.
Weiterbildung auch im höheren Alter
Auch Seniorinnen und Senioren jeden Alters bilden sich in  Kursen und Schulungen weiter. Im Jahr 2008 haben rund 51.000 Personen im Alter von 60 Jahren und älter in den letzten vier Wochen einen Kurs besucht. Besonders beliebt sind in dieser Altersgruppe Sport-, Sprach- und Kunstkurse.
An öffentlichen Universitäten waren im Wintersemester 2008/09 insgesamt 1.942 Personen im Alter von 60 Jahren und älter eingeschrieben. 47,4% der Studierenden 60+ sind zwischen 60 und 64 Jahren alt und circa 55% verfügen bereits über einen Studienabschluss. Knapp zwei Drittel der von Studierenden 60+ belegten Studien entfallen auf die Geisteswissenschaften, allen voran auf die Fächer Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte.
Tabelle 1: Bildungsniveau der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren
Bildungsniveau 1)2008, in %
insg.männl.weibl.
Tertiärabschluss13,813,214,5
Universität/Fachhochschule10,711,59,8
Akademie2,71,34,0
Kolleg0,50,30,6
Sekundarabschluss68,874,363,3
Berufsbildende höhere Schule8,58,98,1
Allgemeinbildende höhere Schule5,65,16,1
Lehre40,851,430,4
Berufsbildende mittlere Schule13,88,918,7
Pflichtschule17,412,522,3
Tabelle 2: Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit nach Bildungsniveau 2008
Bildungsnivau 1)Erwerbstätigenquote (in%)Arbeitslosenquote (in%)
insg.männl.weibl.insg.männl.weibl.
Insgesamt72,178,565,83,83,64,1
Pflichtschule50,156,745,38,28,38,1
Lehre78,683,071,23,23,03,7
Berufsbild. mittl. Schule77,587,073,02,62,42,8
Matura 2)74,479,070,33,22,93,5
Hochschule 3)86,390,782,41,91,91,9
Methodische Informationen, Definitionen:
Bildung in Zahlen ist eine jährlich erscheinende Publikation der Statistik Austria und präsentiert in übersichtlicher Form Ergebnisse und Analysen zu allen Bereichen des österreichischen Bildungssystems.
EU19: Für einige internationale Indikatoren wurde der EU19-Durchschnitt berechnet. Dies entspricht dem ungewichteten Mittel der 19 OECD-Staaten, welche gleichzeitig Teil der EU-
27-Staaten sind.
Armutsgefährdung: Als armutsgefährdet oder von Armutsrisiko betroffen werden jene Personen bezeichnet, deren Äquivalenzeinkommen unter einer Armutsgefährdungsschwelle von 60% des Medians liegt. Für 2007 liegt der Median des Äquivalenzeinkommens bei 18.242 Euro. Die Armutsgefährdungsschwelle betrug 2007 somit 10.945 Euro für einen Einpersonenhaushalt, das sind rund 912 Euro pro Monat. Zur Gewichtung für Mehrpersonenhaushalte wird die EU-Skala verwendet. Jede weitere erwachsene Person erhält ein Gewicht von 0,5 und jedes Kind unter 14 Jahren ein Gewicht von 0,3. Die Armutsgefährdungsschwelle wird beispielsweise bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen und einem Kind mit 1,8 gewichtet.
Sekundarabschluss: Unter Sekundarabschluss werden die Abschlüsse einer allgemein bzw. berufsbildenden höheren Schule, Lehrabschlüsse sowie die Abschlüsse einer mehrjährigen berufsbildenden mittleren Schule zusammengefasst.
Tertiärabschluss: Die Abschlüsse des Tertiärbereichs (Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen, Akademien und Kollegs) werden zusammenfassend als Tertiärabschlüsse bezeichnet. Werkmeister- und Meisterabschlüsse werden bei internationalen Vergleichen dem Tertiärbereich zugeordnet.

Weitere Informationen finden Sie in unseren Publikationen:

Bildung in Zahlen 2008/09 - Schlüsselindikatoren und Analysen

Bildung in Zahlen 2008/09 - Tabellenband

Präsentation zur Pressekonferenz vom 1.3.2010

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria: 
Dr. Markus SCHWABE, Tel. (01) 71128-7446 bzw. markus.schwabe@statistik.gv.at und Mag. Regina RADINGER, Tel. (01) 71128-7457 bzw. regina.radinger@statistik.gv.at

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